Eine Essstörung hat viele Gesichter

Eine Psychotherapie ist nur Erfolg versprechend, wenn ihr eine eindeutige und gesicherte Diagnose zugrunde liegt. Diese Diagnose wird von einem Psychiater oder Psychotherapeuten anhand eines ausführlichen Patientengesprächs, das die individuelle Lebens- und Krankheitsgeschichte abdeckt, sowie mithilfe von standardisierten Interviews und Fragebögen gestellt. Ergänzend können weitere Untersuchungen sinnvoll sein. Dabei orientiert sich die Diagnostik an medizinischen Leitlinien und folgt wissenschaftlichen Kriterien.

Unser Behandlungsschwerpunkt im CoMedicum Lindwurmhof liegt auf allen Erscheinungsformen von Essstörungen und ihren Begleiterkrankungen. Bei 80 % der Betroffenen tritt eine Essstörung mit begleitenden Symptomen auf. Da Essstörungen erstmals in der Pubertät auftreten, behandeln wir Kinder und Jugendliche mit psychischen Störungen.

Am häufigsten sind:

  • Depressionen, Zwangs- oder Angststörungen
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Anpassungs- und Belastungsstörungen

Essstörungen

Bei Essstörungen drehen sich alle Gedanken nur noch ums Essen, und die Betroffenen haben ein negatives oder verzerrtes Körperbild. Der Leidensdruck ist meist hoch, aber zugleich schwankt die Motivation, etwas zu verändern. Die Grenze zwischen einem pathologischen Essverhalten und einem gestörten Essverhalten, das in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist, ist dabei fließend. 

Essstörungen werden unterteilt in:
Magersucht (Anorexia nervosa)

Das Abnehmen wird für Patienten mit Magersucht zum fixen Lebensziel. Eine verzerrte Wahrnehmung der eigenen Figur, kombiniert mit dem Wunsch, dünn zu sein, kann zu lebensbedrohlichem Untergewicht und starken gesundheitlichen Problemen führen. Von allen psychischen Erkrankungen ist Anorexia nervosa diejenige mit der höchsten Sterblichkeitsrate. Vor allem junge Mädchen und Frauen sind betroffen, aber auch immer mehr Jungen und Männer leiden unter Magersucht. Meistens tritt die Krankheit erstmals in der Pubertät auf.

Ess-Brechsucht (Bulimia nervosa)

Charakteristisch für die Bulimie sind unkontrollierbare Ess-Attacken mit anschließenden gegenregulierenden Maßnahmen (meist Erbrechen). Schuldgefühle, Ängste und körperliche Beschwerden wie Kreislaufprobleme, Elektrolytentgleisungen oder Säure-Schäden an Zähnen und Speiseröhre sind häufige Folgeerscheinungen. Das Ersterkrankungsalter liegt mit 16 bis 18 Jahren etwas höher als bei der Magersucht, wobei bei ca. 50 Prozent der an Bulimie Erkrankten eine Magersuchtphase vorausgeht.

Binge Eating

Bei der Binge-Eating-Störung verliert der Erkrankte ähnlich wie bei der Bulimie die Kontrolle bei der Nahrungsaufnahme; es finden jedoch keine gegenregulierenden Maßnahmen statt. Häufig geht Binge Eating mit Übergewicht einher. Die Patienten leiden zudem häufig unter einem stark ausgeprägten Schamgefühl, sozialer Ängstlichkeit und Depressionen. Starkes Übergewicht hat meist auch gesundheitliche Probleme wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes zur Folge.

Atypische Formen (mit 60 Prozent die häufigste Form der Essstörung)

Erfüllt eine Essstörung die diagnostischen Kriterien nicht ausreichend für die Diagnosestellung, so spricht man von einer atypischen Anorexia nervosa bzw. Bulimia nervosa. Lässt sie sich nicht eindeutig zuordnen, wird sie üblicherweise als „nicht näher bezeichnete Essstörung“ definiert. Zudem gibt es weitere Formen gestörten Essverhaltens, zum Beispiel Chewing and spitting, das Night-Eating-Syndrom, Orthorexia nervosa, Sport-Anorexie und Sport-Bulimie. Insgesamt sind die atypischen Formen mit ca. 60 Prozent die häufigste Form der Essstörung.

 

 


Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen

Kinder und Jugendliche befinden sich in der Entwicklung und sind deshalb besonders sensibel für äußere Einflüsse. Umso alarmierender ist es, dass nach einer Erhebung des Robert Koch-Instituts in Berlin bereits 20 Prozent aller Kinder in Deutschland psychische Auffälligkeiten aufweisen – die Hälfte davon sogar mit deutlichen Störungs-Symptomen. Abhängig von Alter und Entwicklungsstadium treten unterschiedliche psychische Erkrankungen besonders häufig auf.

Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen können in der Regel gut behandelt werden.
Voraussetzung für den Behandlungserfolg ist ein rechtzeitiges Erkennen der Erkrankung und ein frühzeitiger Therapiebeginn. Besonders häufig bei jungen Patienten sind:

  • ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)
  • Depressionen
  • Tic-Störungen
  • Entwicklungsstörungen
  • Ängste und Phobien
  • Essstörungen
  • Somatisierungsstörungen (psychische Probleme schlagen sich in physischen Symptomen nieder, z. B. in Bauchschmerzen)
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • soziale Probleme (z.B. Isolation oder Mobbing), Süchte und Abhängigkeiten

Persönlichkeitsstörungen

Unsere Gefühle, Gedanken, Wahrnehmungen und sozialen Beziehungen machen aus jedem von uns eine einzigartige Persönlichkeit. Wenn bestimmte Persönlichkeitszüge uns jedoch im privaten und beruflichen Alltag stark beeinträchtigen, wir nicht mehr in der Lage sind, soziale Beziehungen zu führen oder ständig durch unser Verhalten anecken, kann es sich um eine Persönlichkeitsstörung handeln.

Menschen mit Persönlichkeitsstörungen sind wenig flexibel in ihrem Verhalten. Sie reagieren in gewissen Situationen immer wieder gleich, auch wenn das negative Konsequenzen für sie hat. Es fehlt ihnen also die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen und ihr Verhalten zu korrigieren. Die Folge sind oft regelmäßige Konflikte mit anderen Menschen.

Man unterscheidet verschiedene Arten von Persönlichkeitsstörungen, zum Beispiel paranoide, schizoide oder emotional instabile Persönlichkeitsstörungen („Borderline-Typus“), die sich durch unterschiedliche Verhaltensmuster – von impulsiv über furchtsam bis hin zu exzentrisch – äußern. Die Verhaltensmuster zeichnen sich schon oft in der Kindheit ab. Eine Diagnose kann jedoch erst sinnvoll ab einem Alter von 18 Jahren gestellt werden, da sich die Persönlichkeit in der Jugend noch stark verändern kann. Mögliche Ursachen für eine Persönlichkeitsstörung sehen Experten in einer genetischen Veranlagung, aber auch in prägenden Kindheitserfahrungen.


Weitere Störungsbilder

Ferner behandeln in unserem CoMedicum Depressionen, Angststörungen, Zwangserkrankungen sowie Anpassungs- und Belastungsstörungen. Diese Störungen äußern sich von Patient zu Patient unterschiedlich, aber eines haben sie gemeinsam: Sie schränken die Betroffenen stark ein oder machen es ihnen nahezu unmöglich, ihren Alltag zu bewältigen.

Affektive und neurotische Störungen

Affektive Störungen – also Störungen, die das Gefühlsleben betreffen – können sich sehr unterschiedlich äußern: Die Stimmung kann in Richtung Depression gedrückt oder in Richtung Manie gesteigert sein. Oft wechselt die Stimmung auch zwischen diesen Extremen hin und her.

Zu den häufigsten Formen zählen:

Angststörungen

Niemand von uns ist frei von Angst. Und das ist auch gut so: Ängste retten uns immer wieder das Leben und führen uns sicher durch Gefahrensituationen. Wenn die Furcht aber übermächtig wird, sollte man sich professionelle Hilfe suchen. Eine unbehandelte Angststörung kann sich sonst verselbstständigen: Es kommt zur „Angst vor der Angst"; man meidet zunehmend Orte und Situationen, die die Angst auslösen können. Die Folge: Betroffene ziehen sich immer mehr aus dem Leben zurück, und es entstehen oft massive Probleme in Partnerschaft, Familien- und Berufsleben. Generalisierte Angststörungen haben meist keinen konkreten Anlass. Die Patienten leiden unter einer permanenten Anspannung, die beispielsweise zu Schlafproblemen und Herzrasen führen kann. Soziale Angststörungen dagegen äußern sich meist als übermäßige Schüchternheit: Situationen, in denen sie die Aufmerksamkeit auf sich ziehen (beispielsweise Prüfungen), sind für die Betroffenen kaum zu ertragen. Die Folge ist Vermeidungsverhalten: Die Betroffenen setzen sich den angstbesetzten Situationen oder Orten nicht mehr aus, was zu einer Verstärkung der Angst führt und eine Bewältigung unmöglich macht. Ein Teufelskreis beginnt.

 
Depressionen

Niedergeschlagen, antriebs- und interessenlos: Jeder von uns hat schon einmal Tage erlebt, an denen er sich so gefühlt hat. Die Welt ist dann einfach trist und grau. Treten diese Symptome ohne akute Belastungssituationen und über längere Zeit auf, spricht man von einer Depression. Betroffene schaffen es oft nicht mehr, alltägliche Dinge zu erledigen, weil alles sinnlos erscheint. Viele meiden Familie und Freunde, leiden unter Schlafstörungen und Appetitlosigkeit – und haben häufig auch lebensmüde Gedanken. Eine frühzeitige professionelle Behandlung ist deshalb besonders wichtig.

Manien

Manien sind Phasen von übermäßigem Antrieb, Euphorie und Enthemmung. Betroffene strotzen vor Energie und haben tausend großartige Ideen. Das Selbstbewusstsein steigert sich ins Unermessliche, und die eigenen Kräfte werden häufig überschätzt. Die Ursachen einer Manie sind bisher nicht vollständig geklärt. Vermutet wird, dass bei einer bestimmten erblichen Veranlagung gewisse Ereignisse – beispielsweise extreme Veränderungen im Leben – manische Phasen auslösen können. Eine Manie kann aber auch plötzlich und ohne auslösende Faktoren auftreten. Patienten, die sich in einer manischen Phase befinden, schlafen sehr wenig und überanstrengen damit ihr Gehirn, was zu psychotischen Symptomen wie zum Größenwahn führen kann. Am häufigsten verläuft eine Manie bipolar, was bedeutet, dass sich manische und depressive Phasen abwechseln.

 

Zwangsstörungen

Wer hat sich nicht schon einmal nach dem Verlassen der Wohnung gefragt, ob er die Herdplatte oder das Licht ausgemacht hat und ist dann wie unter Zwang zurückgekehrt, um nachzuschauen? Solche Zwänge kennt praktisch jeder. Bei einer echten Zwangsstörung schränken die Zwangsgedanken und -handlungen jedoch den gesamten Alltag der Betroffenen ein. Geben sie dem Zwang nicht nach, steigert sich die Anspannung ins Unerträgliche. Sie können sich nicht dagegen wehren, auch wenn sie einsehen, dass der Zwang unsinnig ist. Meist treten Zwangsstörungen erstmals nach der Pubertät auf, es können aber auch Kinder betroffen sein. 

 

 


Anpassungs- und Belastungsstörungen

Unser Leben ist stetig im Wandel. Wir sind deshalb immer wieder gefragt, uns neu zu orientieren und uns an eine neue Lebenssituation anzupassen. Wenn das nach einem stark einschneidenden Erlebnis, beispielsweise dem Verlust einer nahestehenden Person, einem Unfall oder einer Trennung nicht mehr gelingt, spricht man von einer Anpassungs- oder Belastungsstörung. Depression, starke Ängste und Lustlosigkeit können die Folge sein. Die Betroffenen haben dann das Gefühl, dass sie ihren Alltag nicht mehr bewältigen können.

Während einer akuten Belastungsstörung oder einem Burn-out, fühlen sich die Patienten überfordert und sind extrem unkonzentriert. Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung, die durch ein oder mehrere traumatisierende Erlebnisse entsteht (beispielsweise Kriegserfahrungen und Naturkatastrophen), werden die furchterregenden Situationen in Träumen und Gedanken permanent wiederholt bzw. wieder erlebt. Betroffene wirken oft emotional abgestumpft und desinteressiert. Eine psychiatrische oder psychotherapeutische Betreuung kann ihnen helfen, das traumatische Ereignis zu verarbeiten.